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Kevin Hutter hält das iPad stolz vor seine Brust. Er hat ein Grinsen im Gesicht, als hätte er gerade einen Wettbewerb gewonnen und als sei das 9,7 Zoll kleine Gerät seine Trophäe. Der 13-Jährige ist der jüngste und gleichzeitig wohl grösste Apple-Fan, der schon Stunden vor dem Verkaufsstart des iPad in der Schweiz am Freitagmorgen vor den Toren des Züricher Apple-Shops im Glattcenter gewartet hat. Zwei iPhones besitzt er schon, mehrere iPods und auch einen Apple iMac mit 27 Zoll. Und jetzt eben auch ein 64 Gigabyte Apple-Tablet 3G: "Weil es extrem cool ist", sagt er.
Vor allem Videos könne man darauf gut gucken, auch unterwegs. Und das Spielen mache auf dem iPad eben besonders viel Freude. Die 799 CHF für die Anschaffung von Nicks neuem Spielzeug hält seine Mutter Claudia für eine gute Investition. "Andere Mütter kaufen ihrem Kind eine Stradivari und ich eben Apple-Produkte", sagt die Züricherin, deren Louis-Vuitton-Kleidung vermuten lässt, dass auch die Geige nicht zu teuer wäre. Deshalb ist sie heute für ihren Sohn um vier Uhr nachts aufgestanden.
Wie in Zürich standen die Apple-Fans auch andernorts in langen Schlangen vor den Geschäften. Viele von ihnen fühlten sich dabei wohl etwas entortet: Beim Eintreten in die Apple-Läden in Genf, Bern und Basel standen die Angestellten nach US-Vorbild um 8 Uhr in der Früh Spalier - und beklatschten hereingebetene Kunden. Das passt zu Apples Philosophie: Die kleine Aufmerksamkeit soll ein roter Teppich sein, nur ohne rote Farbe und ohne Teppich. Wer sich geschmeichelt fühlt, ist eben besonders kauffreudig.
Dabei hätte es des Tricks gar nicht bedurft. Denn wer vor der Tür stand, wollte in jedem Fall ein Gerät kaufen. Und so wurden die Schlangen immer länger: Vor dem Glattzenter Laden in Zürich waren es am Ende 100 Menschen, 80 in Bern, etwas weniger in Genf und Basel, 500 in Sydney und 1200 Menschen in Tokio, wo Apple sich im noblen Einkaufsviertel Ginza niedergelassen hat. Fast einen Kilometer lang reihten sich dort die Wartenden aneinander. Einige verkleideten sich gleich als iPad, nicht zuletzt, um sich und anderen die Zeit zu vertreiben. Schon der iPad-Kauf ist ein Apple-Event.
Der flache Tablet-Computer von Apple ohne Tastatur, aber mit berührungsempfindlichem Bildschirm hat nun also auch international einen Hype ausgelöst, der bislang nur aus den USA bekannt war. Weil auch dort die Läden überrannt wurden, hat Apple den Verkaufsstart im Ausland kurzerhand um einen Monat verschieben müssen. Das hat aber offenbar die Nachfrage nur noch weiter angefacht.
Auch Pit Steiner konnte es kaum noch erwarten, sein iPad in die Hand zu bekommen. Der 21-jährige Sportstudent war der Erste in der Warteschlange im Bern. Nun schwärmt er von der Bildschirm-Auflösung, die "so viel besser" sei als beim iPhone, von dem grösseren Touchscreen und dem praktischen Format des etwa 700 Gramm leichten Tablets. "Ich hoffe, damit unter anderen auch Präsentationen und Textdokumente unterwegs bearbeiten zu können", sagt er. "Und unterwegs besser Nachrichten lesen zu können", ergänzt Rolf Gruber, der Zweiter in der Wartereihe war. Der 64-Jährige in Anzug und Seidenschal ist beruflich viel auf Reisen. "Ich hasse es, an Flughäfen oder in der Bahn in umständlich grossen Zeitungen zu blättern", sagt er. Beim iPad funktioniert das Blättern mit einem Fingerwisch. Entsprechende Anwendungen von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen würde sich Kohrs durchaus etwas kosten lassen.
Tatsächlich wagt sich Apple mit dem iPad auf ungewohntes Terrain. Der Konzern sieht das Tablet als drittes Gerät zwischen Handy und Notebook. Ob diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. "Es wird dort eine Kannibalisierung des Notebookmarktes geben, wo die technischen Anforderungen gering sind", sagt Archibald Horlitz, Chef von Apples grossem Vertriebspartner Gravis, im Gespräch. "So wie das iPhone den Markt der Mobiltelefone umgekrempelt hat, wird das iPad den Markt tragbarer Computersysteme revolutionieren."
Viel wichtiger sei allerdings, dass Apple nun völlig neue Zielgruppen anspreche. "Das gilt für ältere Menschen, denen der Computer zu kompliziert ist", sagt Horlitz. Zugleich sei das iPad aber auch für Kinder interessant. Gravis kann das nur recht sein. Bereits am Freitag waren die iPads in allen Gravis-Geschäften ausverkauft. Einige Versionen waren schon morgens um 9 Uhr nicht mehr zu haben. "Wir haben schon vieles erlebt, aber das war gigantisch." Horlitz spricht von "erheblichen Stückzahlen" und rechnet damit, dass das Tablet in den kommenden Wochen eher knapp sein werde. Apple nennt auch auf Nachfrage keine Verkaufszahlen. Der Andrang sei gross, heisst es lediglich.
Offenbar kann Apple nicht schnell genug produzieren, obwohl sich der Konzern Medienberichten zufolge eine Kapazität von zehn Millionen Geräten jährlich gesichert hat. In den USA ist das iPad in vielen Apple-Stores ausverkauft. Dort hat der Konzern nach dem Verkaufsstart am 3. April in den ersten 28 Tagen eine Million Geräte losgeschlagen. Für die Millionenmarke beim ersten iPhone hat Apple 2007 doppelt so lang gebraucht. Apples Chief Operation Officer Tim Cook nannte die Nachfrage gestern "schockierend". Nach eigenen Angaben hatte Apple in seinen Geschäften am Nachmittag noch iPads verfügbar.
Offenbar hat jeder Käufer einen anderen Grund, sich ein iPad zuzulegen. "Interaktivität macht es aus", sagt Boris Hälg. "Das ist der Grund, warum man ein iPad haben will, auch wenn man es nicht unbedingt braucht."

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